Theo Champion

Theo über sich

„Nachdem meine Mutter mir einen grossen Künstlerhut und eine schwungvolle Pelerine in schwarz gekauft hatte, kam ich 1906 zur Düsseldorfer Akademie. Ich zeichnete sehr fleissig nach Gipsmodellen, Julius Cäsar, Christian Rauch oder auch die Venus von Milo. Es war ein finsteres Atelier, in dem wir Schüler hausten, geschwärzt von Zeichenkohle und grauem Staub, aber man fühlte sich als Akademiker. Ich wurde Mitglied einer Schülerverbindung, wo man viel Bier trank und nach Art der Studenten einen regelrechten Salamander reiben konnte. Dazu rauchte man die kurze Pfeife, und das Selbstbewusstsein stieg.

Nach einem Jahr durfte ich nach Weimar zur modernsten Schule des Kaiserreiches. Dort gab es kein Schwarz und kein Braun auf der Palette, wie in der Düsseldorfer Gerhardt-Klasse, dort setzte man die ungemischte, reine Farbe nebeneinander, kurzum wir pointilierten alle à la Signac, Seurat oder Claude Monet.

Zuletzt wurde ich Schüler von Theodor Hagen, ein alter Herr mit jugendlicher Begeisterung für die Moderne. Um auf das Schwarz und Braun der Malerpalette zurückzukommen – Rousseau hat so schöne Schwarz und Braun hervorgezaubert, sodass die Maler doch wieder diese verpönten Farben auf ihre Paletten setzten. Man sieht, man sollte keine Thesen aufstellen, sie sind meistens daneben. Richtig ist nur das Werk, das des Menschen Herz in Schwingung bringt.

1911 war ich in Paris, studierte eifrig im Louvre und kopierte Rubens und Delacroix. Ganz besonders sah ich mir die Moderne an. Das führte dazu, dass ich in der Manier von van Gogh malte. Mein Vater war mit der Entwicklung seines Sohnes jedoch wenig zufrieden. Er hatte gehofft, ich würde Andreas Achenbach nacheifern.

Nach dem ersten Weltkriege begann ich auszustellen, ich wurde Mitglied des „Jungen Rheinland“ und der „Berliner Sezession“. Ein gewaltiger Lärm durchtobte damals die Auststellungen, es war die Zeit des Abstrakten Kandinsky und der Leute, die Mausefallen, Zwirnröllchen und Zeitungsfetzen auf ein ungehobeltes Brettchen nagelten. Mitten dazwischen hingen meine Bilder. Ich versuchte es mit natürlicher Einfachheit, einer Natürlichkeit wie sie mir in den Bildern des gottbegnadeten Henri Rousseau und der alten Meisterwerke begegnet. Unbekümmert ging ich meinen Weg, geführt von meinem Wesen, wie ich es nun einmal habe.

1947 wurde ich an die Düsseldorfer Akademie berufen. Ich möchte die jungen Maler zu ihrem eigenen Wesen führen und ihnen Umwege ersparen.“

(handschriftliche Zeilen von Theo, Jahr noch unbekannt)